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Die Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage – ICHD-3

Prof Jes OlesenEs ist mir eine Ehre, im Na­men des Kopf­schmerz­klas­si­fi­ka­ti­ons-Ko­mi­tees der In­ter­na­tio­na­len Kopf­schmerz­ge­sell­schaft die 3. Auf­lage der Inter­natio­nalen Klassi­fikation von Kopf­schmerz­erkrankungen (ICHD-3) prä­sen­tieren zu kön­nen. Diese folgt auf die Ver­öffent­lichung der ICHD-3 beta 2013. Die Idee hinter der Beta-Ver­sion war, vor der Vor­lage der end­gültigen ICHD-3 eine wei­tere Vali­dierung in der Pra­xis zu för­dern, was gut funk­tion­iert hat. Es wur­den mittler­weile her­vor­ragende Feld­studien veröffentlicht, u. a. zur Mi­gräne mit Aura, zum Cluster­kopf­schmerz, zur idio­pathi­schen intra­kraniel­len Druck­er­höhung und zur Tri­geminus­neuralgie. Es wurde zum Bei­spiel do­kumen­tiert, dass die im An­hang auf­geführ­ten Kri­terien für eine A1.2 Mi­gräne mit Aura den Kri­terien für eine 1.2 Mi­gräne mit Aura im Haupt­text der ICHD-3 beta zur bes­seren Ab­grenz­ung dieser Er­kran­kung von trans­itorischen ischäm­ischen Attacken über­legen waren. Feld­versuche zu den neuen assozi­ierten Merk­malen unter Kri­terium C1 für einen 3. Cluster­kopfschmerz, Gesichts­rötung und ein Völle­gefühl er­gaben, dass die­se nicht zur Dia­gnose bei­trugen. Dement­sprechend werden diese Symp­tome nur in den An­hang zur ICHD-3 auf­ge­nommen, wo sie zu wei­teren Unter­suchungen ein­laden. Dies sind Bei­spiele für den evidenz­basierten Pro­zess der Klassi­fi­kation von Er­kran­kungen, der nun das Grund­prin­zip bei al­len künf­tigen Än­derun­gen an der Inter­natio­nalen Klas­si­fika­tion von Kopf­schmerz­er­kran­kungen dar­stellt.

Ein Grund für die Beta-Version war, so unsere Vorstellung, dass in die ICHD-3 die Verschlüsselungen der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, 11. Fassung (ICD-11) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit aufgenommen werden könnten, sobald diese veröffentlicht wären. Wir gingen davon aus, dass die ICD-11 2016 vorliegen würde, leider jedoch gab es lange und unerwartete Verzögerungen, so dass die endgültigen Verschlüsselungen der Diagnosen noch immer nicht verfügbar sind. Also müssen wir die ICHD-3 ohne sie veröffentlichen.

Die ICHD-3 wird als 1. Ausgabe der Zeitschrift Cephalalgia 2018 veröffentlicht, exakt 30 Jahre nach der 1. Fassung der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, ICHD-1, wie wir sie heute nennen. Diese 1. Fassung stützte sich primär auf Expertenmeinungen, erwies jedoch nichtsdestotrotz in großen Teilen ihre Gültigkeit. In die ICHD-2, veröffentlicht 2004, wurde eine Reihe von Veränderungen aufgenommen, die teils durch neue Erkenntnisse veranlasst und teils auf mittlerweile revidierte Expertenmeinungen zurückgingen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse spielten bei den an der ICHD-3 beta vorgenommenen Änderungen eine vergleichsweise größere Rolle, und alle weiteren in die ICHD-3 aufgenommenen Neuerungen basieren auf derartigen Erkenntnissen. Die Kopfschmerzklassifikation stützt sich also heute voll und ganz auf die Forschung und wird dies auch künftig tun.

Mit der Veröffentlichung der ICHD-3 geht eine lange Reise zu Ende, die 2010 begann, doch auf das gegenwärtige Komitee wartet auch in den nächsten Jahren noch einiges an Arbeit. Die ICHD-3 beta wurde in viele Sprachen übersetzt, und diese Übersetzungen gilt es zu aktualisieren, bevor die ICHD-3 bald in den entsprechenden Sprachen veröffentlicht werden kann. Es steht zu hoffen, dass noch viele weitere Übersetzungen herauskommen, so dass die ICHD-3 in allen geläufigen und sogar in vielen weniger gängigen Sprachen zugänglich ist. Eine elektronische Version der ICHD-3 beta, die bereits unter der Leitung von Professor Hartmut Göbel erstellt wurde, wird mit dieser Webseite auf die ICHD-3 aktualisiert werden. In Planung ist ferner in Zusammenarbeit zwischen Prof. Morris Levin und Prof. Jes Olesen die Herausgabe eines Fallbuchs. Und dann wird schließlich von Prof. Timothy Steiner und Prof. Jes Olesen noch eine Brücke zwischen der ICHD-3 und der ICD-11 der WHO hergestellt werden, sobald die Verschlüsselungen für die ICD-11 zur Verfügung stehen.

Wie sieht dann also die Zukunft der Kopfschmerzklassifikation aus? Eine Klassifikation muss im Prinzip konservativ ausgerichtet sein. Sobald an einer Klassifikation größere Veränderungen vorgenommen werden, müssen alle vorangegangenen Untersuchungen, bei denen auf diese nun geänderten Teile der Klassifikation zurückgegriffen wurde, noch einmal aufgegriffen werden. Medikamentenstudien zum Beispiel, die nach den vorherigen diagnostischen Kriterien durchgeführt wurden, müssen wiederholt werden, falls sich bei den diagnostischen Kriterien größere Veränderungen ergeben, da die Patienten, die unter die neue Diagnose fallen, sich von denen unterscheiden werden, die unter die vorherige Diagnose fielen. Meine Hoffnung ist, dass die aktiven Feldstudien und die wissenschaftliche Analyse, die für die ICHD-3 vorgenommen wurden weitergehen und es so ermöglichen, dass künftige Änderungen voll und ganz evidenzbasiert sein werden. Der Tradition entsprechend werden bis zur ICHD-4 voraussichtlich 10-15 Jahre ins Land gehen, doch werden unterdessen etliche Feldstudien erstellt werden. Modifizierte diagnostische Kriterien der ICHD-II für eine 1.3 chronische Migräne wurden in der Zeitschrift Cephalalgia veröffentlicht, das Klassifikationskomitee stimmte diesen Änderungen zu und bat um ihre sofortige Anwendung, obwohl sie noch nicht in die Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen aufgenommen worden waren, bevor Jahre später die ICHD-3 beta erschien. Ein künftiges Kopfschmerzklassifikationskomitee sollte auf ähnliche Weise in der Lage sein, der Festlegung neuer oder überarbeiteter diagnostischer Kriterien vor der Veröffentlichung der ICHD-4 zuzustimmen und diese zu unterstützen, wenn diese durch gute in der Zeitschrift Cephalalgia veröffentlichte Feldstudien untermauert werden.

Mit der Kopfschmerzklassifikation in der ICHD-1 wandelten sich Kopfschmerzen von den mit am schlechtesten klassifizierten neurologischen Erkrankungen zu den bestklassifizierten. Wir haben diese Dynamik 30 Jahre lang beibehalten, und die Überlegenheit unserer Klassifikation zeigte sich neulich im Rahmen der Arbeit des Komitees in Genf am neurologischen Teil der ICD-11. Keine andere Fachrichtung innerhalb der Neurologie verfügt über eine derartige systematische Klassifikation samt expliziten Diagnosekriterien für jede Krankheitsentität. Ich hoffe aufrichtig, dass sich diese Tradition in der Zukunft aufrechterhalten lässt und dass die Kopfschmerzklassifikation weiterhin zur kontinuierlichen Wegbereiterin für die Klassifikation von neurologischer Erkrankungen bleiben wird.

Prof. Jes Olesen
Vorsitzender des
Kopfschmerzklassifikations-Komitees der
Internationalen Kopfschmerzgesellschaft

Vorwort zur ICHD-3 Website

Wie bereits die ICHD-2 liegt nun auch die ICHD-3 der internationalen Kopfschmerzklassifikation in digitaler Form vor. Die digitale ICHD-3 erleichtert es sehr, die Gliederung und die Inhalte der aktuellen Klassifikation nachzuvollziehen. Die praktische Anwendung in der klinischen Versorgung und in der Wissenschaft wird damit einfacher als je zuvor. Die drei Hauptteile und der Anhang der ICHD-3 gruppieren das Hauptmenü. Die jeweiligen Diagnosen können nach Anklicken der Hauptüberschrift in der Textauswahl aufgesucht und ausgewählt werden. Durch den Text, das Menü und die Suchfunktion können schnell Antworten auf spezielle Fragen in der klinischen Praxis gefunden werden. Die ICHD-3-Webseite ermöglicht einen schnellen Zugriff zu allen Informationen der internationalen Kopfschmerzklassifikation.

Die Vorgängerversion ICHD-3 beta bleibt weiter online verfügbar und kann für Vergleichszwecke digital eingesehen werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits vorliegende weitere Übersetzungen können im Downloadbereich eingesehen werden. Die Informationen zur Klassifikation und Diagnostik von Kopfschmerzen werden durch relevante Originaldokumente sowie begleitende Materialien wie Präsentationsvorlagen und eine Medienbibliothek ergänzt. Das digitale Medienzentrum zur Klassifikation und Diagnostik von Kopfschmerzen wird kontinuierlich erweitert werden.

Der erste Computer wurde in den Jahren zwischen 1936-1938 erfunden, lange bevor eine internationale Kopfschmerzklassifikation existierte. Die 1. Auflage der internationalen Kopfschmerzklassifikation wurde 1988 publiziert. Die erste Website, die überhaupt online ging, wurde 1990 nahezu zeitlich parallel veröffentlicht. Während die ICHD-1 noch nicht digital verfügbar war, wurde die erste Website für die ICHD-2 im Jahre 2006 weltweit online zugänglich. In den letzten Jahren gab es einen großen Fortschritt digitaler Medien in der Medizin. Der Einsatz von mobilen Smartphones und Tabletts ist heute in allen Bereichen der Medizin Standard. Viele unterschiedliche Betriebssysteme und Displays sind verfügbar. Wir haben für die digitale ICHD-3 eine Plattform gewählt, die sich den verschiedenen Geräten und Displays automatisch anpasst und vorbereitet ist. Die Webadresse kann direkt dem Home-Screen des jeweiligen Gerätes zugefügt werden. Sie kann dann wie eine native App direkt aufgerufen und genutzt werden. In den Links wird erläutert, wie die digitale ICHD-3 beta auf iOS or Android dem Home-Screen zugefügt werden kann. Die Webseite stellt zudem einen Lesemodus zur Verfügung. Durch einmaliges Anklicken werden die Seiten für leichtes Lesen umformatiert. Nach Laden der ICHD-3 Webseite kann man beispielsweise im Safari-Browser die Lesemodus-Schaltfläche links oben im Adresseingabefeld aktivieren. Ein ähnlicher Lesemodus ist auch für andere zeitgemäße Browser verfügbar.

Mein herzlicher Dank gilt Prof. Jes Olesen, Vorsitzender des internationalen Kopfschmerzklassifikationskomitees und den Mitgliedern des Komitees für die Übertragung der Aufgabe, die digitale Version zu erarbeiten. Ebenfalls danke ich den Mitgliedern des ICHD-3 Website Komitee, die bei der Erstellung dieser digitalen Version mitgewirkt haben.

Prof. Hartmut Göbel
Vorsitzender des ICHD-3 Website Komitees
der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft